Erlebnisgrotte, Kamera läuft.

Ein Spaßbad im bayrischen Augsburg.
Wir schreiben das Jahr 2014 am 2. Weihnachtsfeiertag. Ein junges Päärchen vergnügt sich in den Fluten der „Erlebnisgrotte“ der Therme im Augsburger Vorort Neusäß. Ansich nichts aufregendes. Doch offenbar wollten die Zwei mehr erleben als nur etwas im Wasser planschen. Die Gelegenheit schien günstig und trotzdem hatten sie Pech. Sie wurden beobachtet. Nicht nur ein Bademeister hat die Beiden „in flagrante“ erwischt, sondern auch eine Unterwasser Kamera, die ohne Wissen der Badegäste dort  in der Erlebnisgrotte montiert ist. Und nun wird es sehr merkwürdig. Was als kleiner prickelnder Spaß zwischen zwei Liebenden beginnt, oder zumindest so aussieht, endet in einer Gerichtsverhandlung  mit der Anklage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Hintergrundwissen: Sex im Spassbad – Quelle: Huffington Post

Was die Bildzeitung nun an Informationen zusammen getragen hat, ist erstaunlich.  Natürlich gibt es bei Bild plus den ganzen Film zu sehen. Da ich mir vorstellen kann, wie es aussieht wenn zwei Menschen zusammen im Wasser Sex haben, brauche ich kein Bild plus. Viel wichtiger für mich sind die Fragen:

  • Warum ist da eine aufzeichnende Kamera?
  • Ist es rechtens , ohne Wissen der Gäste versteckte Kameras zur Überwachung einzusetzen?
  • Ist es rechtens mit einer solchen Kamera aufzuzeichnen?
  • Verletzt ein solcher Eingriff des Betreibers in die Privatsphäre seiner Gäste nicht ganz andere Bestimmungen?
  • Wie lange werden die Aufzeichnungen dort gespeichert ?
  • Wer hat alles Zugriff auf die Aufzeichnungen?
  • Und was passiert bei Veröffentlichung mit dem Persönlichkeitsrecht/Vermarkungsrecht der gefilmten?

Meines Erachtens wurde schon mit anbringen der Kamera gegen ethische Grundsätze verstoßen. Und das im tief gläubigen Bayern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber es ist legitim, seinen Badegästen unter Wasser auf den Arsch zu schauen. Ohne deren Wissen ist es ja nur halb so schlimm.
Es ist offenbar auch rechtens das Wassertreiben aufzuzeichnen.

Mit welcher Begründung ?

  • Terrorgefahr: Klar kommt täglich ein Attentäter mit einer Sprenggürtel-Badehose und versucht das Bad genau an der Stelle in die Luft zu sprengen. Wird jeden Tag, nur durch die Kamera, verhindert.
  • Diebstahl: Natürlich jagt der Betreiber die unzähligen Wasserdiebe. Diese packen sich heimlich unbeobachtet in der Badegrotte die Badehose voller Wasser und schleppen so unbemerkt Tonnen davon mit nach Hause und schädigen so das Bad.
  • Vandalismus: Immer wieder werden von rücksichtslosen Souvenirjägern aus den Wänden und dem Boden des Pools Teile der Fließen herausgbrochen. Diese schmücken später über deren Kamin eine ganze Pool-Fließen-Trophäen-Landschaft.
  • Überführung von Bandenkriminalität: Hoch ausgeklügelte organisierte Banden klauen systematisch aus den Bauchnabeln der Badegäste die Bauchnabelhaare. Diese so gesammelten Haarknäule werden über ein Netz von Schleusern ins Ausland geschafft und dort gewinnbringend an Bauchnabelhaarknäulssammler verkauft.
  • Das Bad muss sich mit allen Mitteln über Wasser halten und verkauft das Material an jeden Spanner der das „SpannerSpass-Paket“ gebucht hat. Dies ist gerade für Spanner, die nicht schwimmen können, ein sehr entgegenkommender Service. Nun haben endlich auch Menschen ohne Seepferdchenprüfung die Chance bequem vom heimischen TV-Gerät in einer Wasserspassgrotte zu spannen, ohne nass zu werden und ohne Gefahr zu laufen, zu ertrinken.

Das Einzige, was ich gelten lassen würde, wäre eine Überwachung der Grotte wegen Unfallgefahr. Der Bademeister kann seine Augen nicht überall haben. Doch gerechtfertigt dies keinesfalls eine Aufzeichnung und obendrein Veröffentlichung solcher Aufnahmen. Das Live-Bild der Kamera auf einem zentralen Monitor würde völlig ausreichen und wäre das einzig Vertretbare an Überwachung an einer solchen Stelle.  Das Aufzeichnen ist für mich Grund genug um den Betreiber der Verletzung des Persönlichkeitsrecht seiner Gäste zu Beschuldigen.

Im Übrigen ist es für mich nicht erwiesen, das es sich bei dem Treiben der Jugendlichen wirklich um das Erregen eines öffentlichen Ärgernisses handelte. Das ein Richter einen Film , mit einem vermeintlich sich liebenden Päärchen als „das ist Pornografie“ bezeichnet, mag als legitim angesehen werden. So bald eben rein mechanisch der Akt der Lust zu Ausführung gebracht wird und dies Zeitgleich gefilmt wird, bezeichnet man dies als Pornografie. ABER:  Ab welchem Zeitpunkt  ist etwas öffentlich ? In einer Wassergrotte die, wie es aussieht, nur von einer Seite einen Zugang hat, waren die Beiden recht abgeschirmt. Sie waren trotz aller Hormonwallungen vorsichtig. Es hat offenbar sonst niemand mitbekommen außer der Bademeister und die Kamera. Sonst hätte die Bildzeitung mehr Zeugen aufgefahren und T-Shirts verteilt mit dem Aufdruck:

„Wir waren dabei – Der Badegrottenfick 2014“

Wo war also die „Öffentlichkeit“? Die Öffentlichkeit ist erst durch die illegalen Videoaufnahmen in das „Liebesspiel“einbezogen worden. Eine solche peinliche Bloßstellung von Badegästen durch den Betreiber des Bades, des Gerichts und der Medien ist eine Ungeheuerlichkeit.

Es gibt genug Urteile die es verbieten, andere ohne ihr Wissen zu überwachen, zu filmen, dies aufzuzeichnen oder gar die Aufnahmen zu veröffentlichen.

Fragt sich nun, welche Strategie der Verteidigter noch auf Lager hat. Bei mir würde das Urteil 10.000 Euro Strafe für den Betreiber lauten! und jeweils 5.000 Euro Schmerzensgeld für die Gefilmten. Vom Betreiber des Spaßbades zu entrichten. Damit wäre schnell Schluss mit Aufnahmen von leicht bekleideten Menschen in einem Spaßbad, die ohne ihr Wissen später der Nachwelt als Vorlage für Cellulite-Studien dienen. Oder als Teil eines Films in einem Videoportal enden ….

Gehabt Euch wohl und in einem Spaßbad immer schön so verhalten, als ob ihr gefilmt werdet. Also nur in der Umkleide am Arsch kratzen. Unverhofft kommt oft. Man weiß ja nie. Oder einfach mal wieder erfrischend im Wasser Vögeln. Ihr wisst jetzt wo das sehr gut geht  und wo man sich um das Hochladen der Aktion ins Internet auch nicht kümmern muss. Passiert alles von alleine. Prima Service.

Grüßle Sven Musikrausch

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2015/06/09/sex-im-schwimmbad_n_7549096.html